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Sie glauben, die Anwaltskosten sind zu hoch?

Mandanten fragen oft: „Weshalb eigentlich kommt es vor, dass ein Rechtsanwalt für ½ Stunde Arbeit € 200,- verlangen kann?“ Auf eine 38-Stunden-Woche hochgerechnet müsste jeder Anwalt dann eine Luxuskarosse vor der Tür und seine Villa in kürzester Zeit abbezahlt haben. Was also berechtigt ihn solche hohe Stundensätze zu nehmen?

Ganz einfach: Der Anwalt erbringt eine hochspezialisierte Leistung, die eine langjährige Ausbildung (im Schnitt 10 Jahre), eine ständige Weiterbildung und ein hohes Maß an Verantwortung und Einfühlungsvermögen erfordert. Schon vor diesem Hintergrund wäre ein Lohn eines Lagerarbeiters hier nicht gerechtfertigt.

Das Einkommen der Anwälte wird regelmäßig überschätzt!

Die gesetzlichen Gebühren des RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz) sind nicht gleich hoch für denselben Arbeitsumfang. Ein Stundenhonorar kennt das Gesetz nicht und wird auch eher selten zwischen Anwalt und Mandant vereinbart. Tatsächlich kommt es vielmehr auf die Höhe des Streitwertes an. Der Gesetzgeber hat hierfür eine Abstufung der RVG-Gebühren nach der finanziellen Bedeutung für den Mandanten vorgenommen. Um es einfach auszudrücken: Je höher der Wert ist, um den gestritten wird, um so höher ist die vom Anwalt übernommene Verantwortung und um so höher ist seine Entlohnung hierfür. Der tatsächliche Arbeitsaufwand ist dabei von sekundärer Bedeutung. So kann der Streit um eine „Kleinigkeit“ u.U. wesentlich mehr Arbeitsaufwand des Anwalts erfordern, ohne daß er deshalb mehr Gebühren bekäme. Andererseits kann sich in Einzelfällen ein Rechtsstreit mit hohem Streitwert u.U. schnell erledigen und der Rechtsanwalt bekommt vergleichsweise „viel Geld für wenig Arbeit“. In der Praxis sind jedoch geringere Streitwerte mit hohem Arbeitsaufwand die Regel.

Nicht vernachlässig werden darf auch die Tatsache, daß der Anwalt nicht nur arbeitet wenn Sie ihm dabei zusehen oder er Ihnen eine Kopie seiner Korrespondenz zusendet. Er bereitet sich auf zu führende Gespräche vor, prüft die Akte in regelmäßigen Abständen und sichtet die aktuelle Rechtsprechung zu den relevanten Rechtsfragen. Hiervon bekommen Sie in der Regel nichts mit und dennoch arbeitet der Anwalt hier an „Ihrem“ Fall. Oftmals finden Sie auch das Ergebnis intensiver Recherche und Prüfung in einem einzigen Satz zusammengefasst, ohne dass Sie erkennen können, wie viel Vorarbeit hierfür geleistet wurde.

Von vielen wird auch die Einnahme des Rechtsanwalts mit seinem Gewinn gleichgestellt.

Der Anwalt ist ein Dienstleister, der seine Leistungen nur höchstpersönlich erbringen kann. Er hat dabei zwar regelmäßig Personal, dessen Kosten darf er – anders als z.B. der Handwerker – dem Mandanten grundsätzlich nicht in Rechnung stellen. Bei der Berechnung eines ggf. vereinbarten Stundensatzes sind auch die Kosten für Schreibkräfte und andere Hilfspersonen mit einbezogen.

Zudem fallen für den Anwalt Kosten an, die dem Mandanten oft verborgen bleiben. Der Anwalt ist beispielsweise verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, damit der Mandant im Falle einer Falschberatung seinen Schaden erstattet bekommt. Die Prämien richten sich i.d.R. nach den Streitwerten. Der Rechtsanwalt ist verpflichtet sich regelmäßig über Gesetzesvorhaben, neue Rechtsprechung und Gesetzesänderungen zu informieren. Hierfür sind der regelmäßige Bezug teurer Spezialzeitschriften und Literatur, der Besuch von Informationsveranstaltungen und Seminaren, die ständige Aktualisierung der eigenen Bibliothek sowie der Zugang zu juristischen Spezialportalen im Internet erforderlich. Alles das ist mit erheblichen Kosten verbunden. Hinzu kommen die „üblichen“ Kosten wie Büromiete, Personalkosten, Umsatzsteuer, Porto, Büromaterial, Versicherungen, EDV und Geräteleasing.

Im Ergebnis entfallen nach einer statistischen Erhebung des Jahres 2008 in durchschnittlichen Einzelkanzleien von jedem eingenommenen Euro cirka 45 bis 85 Cent auf die Kosten. Von den oben erwähnten € 200,- verbleiben dem Rechtsanwalt demnach gerade noch ca. € 70,- und die müssen noch versteuert werden!

Auch sollten Sie wissen, daß die gesetzlich normierten Gebühren zwischen 1994 und 2004 keine Erhöhung erfahren haben und auch seit dem wieder unverändert sind. Jede Gewerkschaft hätte bei einem derartigen Lohnstillstand schon längst auf die Barrikaden gerufen.

Als Fazit bleibt die ernüchternde Erkenntnis, daß es die reichen Anwälte, die mit dem Ferrari auf den Golfplatz fahren und nach getaner Arbeit in den hauseigenen Pool steigen nur im Fernsehen gibt …